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Neue Medien in Coronazeiten

Kunst in Coronazeiten - War wirklich Alles schlecht?...

Dr. Frederik Weinert

Digitalexperte
Spezialist für Social Media und digitale Bildung
Medienwissenschaftler
Kommunikationswissenschaftler

lebt in Passau und Hohenau
Foto: Weinert

Auch wenn wir nicht richtig barrierefrei sind hier auf unserer Website, so versuchen wir doch, auch Sehbehinderten einen Zugang zu unserem Projekt zu geben. Und deshalb könnt ihr über Klick auf den Pfeil die Statements nun auch hören. Viel Spaß!

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Glück und Medien

Es ist ein Schock im März 2020: Das Coronavirus ist in Deutschland angekommen. Wir sehen das Virus nicht, wir riechen es nicht, und wir schmecken es nicht. Dennoch ist es da, omnipräsent in den Medien! Im Fernsehen ist die Berichterstattung gigantisch, auch die Zeitungen machen Corona zum Thema Nummer eins.
Dann kommt der Lockdown, plötzlich sind wir alle eingesperrt. Soziale Kontakte sind auf einmal ein Luxusgut. Man telefoniert mit den Eltern, Kindern und vielleicht sogar mit dem zerstrittenen Bruder. Im Lockdown ist viel Zeit, um Frieden zu finden, auch mit sich selbst.

Die Corona-Krise hat mich zu einem neuen Menschen gemacht. Sie hat mich transformiert. Ich habe mein handwerkliches Geschick entdeckt und Renovierungsarbeiten vorgenommen, damit ich es in meinem Zuhause schöner habe. Ich bin viel spazieren gegangen, habe mir aber auch die Serie „Breaking Bad“ auf Netflix angeschaut. Streaming kann etwas sehr Schönes sein, wenn man es nicht übertreibt.
Ob ich mich einsam gefühlt habe? Nein, denn meine Nachbarn und ich haben zusammengehalten. Ein kleiner Ratsch über den Gartenzaun war immer drin. Mit Freunden und der Familie habe ich mich per WhatsApp, E-Mail und ganz altmodisch über das Telefon ausgetauscht.

In den Sozialen Medien bin ich seit Januar 2019 privat nicht mehr aktiv. Verschwörungstheorien und Fake News: Facebook, Twitter und Instagram sind voll davon. Ich mache mir lieber mein eigenes Bild, also unverzerrt ohne die Medien. Ich bilde mir meine eigene Meinung und lasse mich nicht manipulieren.

Gerade zu Beginn der Corona-Krise hat mir eine studierte Freundin ein YouTube-Video von einem Lungenarzt geschickt, der meinte, dass Corona nur Fake sei. Ich kenne viele Menschen, die so denken. Das ist traurig. Denn das Corona-Virus gibt es. Mittlerweile weiß ich von Kollegen und Freunden, die es erwischt hat. Ich trage die Maske, aber die Panikmache in den Medien, die finde ich schlimm! Wie soll denn Lebensfreude aufkommen, wenn die Medien und Politiker uns einreden, dass das Leben nie wieder normal wird?

Jeder ist seines Glückes Schmied, heißt es so schön. Die Redewendung bedeutet, dass wir selbst viel zu unserem eigenen Lebensglück beitragen können. Das ist richtig! Da kann es helfen, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen wie beispielsweise eine Kugel Eis, eine blühende Blume oder einen Sonnenuntergang im Bayerischen Wald.
Für Kinder und Jugendliche ist das nicht so einfach, denn junge Menschen brauchen Anleitung. Computerspiele und Handy-Apps sind ein netter Zeitvertreib, aber wer den ganzen Tag auf den Bildschirm starrt, geht mit seiner Seele nicht achtsam um. Zu schnell entsteht eine Abhängigkeit, denn es ist mittlerweile bewiesen, dass virtuelle Likes genauso glücklich machen wie Schokolade. Es hilft, wenn sich die Eltern selbst mit den neuen Medienwelten und Spielen beschäftigen, um mitreden und helfen zu können. Es ist wichtig, den Kindern einen abwechslungsreichen Alltag zu bieten, damit sie das Handy auch mal weglegen.

Die Computerspiele sind aber auch eine große Chance, um soziale Kontakte zu knüpfen. Ich denke da an das Online-Rollenspiel „World of Warcraft“. Es macht sogar mir Spaß, mich dort einzuloggen, um als Hexenmeister, Priester oder Jäger gemeinsam mit anderen Menschen Abenteuer zu lösen. Man kann im Spiel miteinander chatten und sogar über ein Headset echte Gespräche führen. Manchmal entwickeln sich Freundschaften.

Wichtig ist, ein Gefühl dafür zu bekommen, wann es Zeit ist, aus dem Spiel auszuloggen, um sich dem echten Leben zu widmen. Ich mache zum Beispiel gerne Lagerfeuer, schlage Holz und koche gesund. Ich lese einmal am Tag die Zeitung über das Internet. Das reicht, denn wenn ich zu viel Zeitung lese oder Nachrichten schaue, fühle ich mich schlechter. Ich stehe dazu und tue deshalb das im Leben, was mir Spaß und Freude macht. Medien gehören dazu, bestimmen aber nicht meinen vielseitigen Alltag.

Mein Leben hat sich in den letzten Monaten um 360 Grad gewandelt. Lange Zeit war ich Single, doch im August 2020, während der Corona-Krise, habe ich meine jetzige Verlobte kennengelernt. Wir hatten ein Match über eine Dating-App, denn es war ja nicht möglich, jemanden beim Tanzen oder in einer Bar kennenzulernen. Wir haben also telefoniert und uns dann getroffen. Nach und nach haben wir immer mehr Zeit miteinander verbracht. An Heiligabend war es dann soweit: Ich habe ihr einen Heiratsantrag gemacht. Jetzt sind wir gerade dabei, uns gemeinsam ein Nest zu bauen. Ohne die digitalen Medien hätte ich meine Verlobte nie kennengelernt, das möchte ich an dieser Stelle noch einmal erwähnen.

Was also bedeutet die Corona-Zeit für mich? Sie bedeutet, sich selbst zu finden, aber auch sich für Neues zu öffnen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Zusammen, gemeinsam mit einem Partner oder einer Partnerin, ist das Leben vielseitiger und emotional wärmer. Es gibt jeden Tag neue Situationen.
Die digitalen Medien begleiten uns trotzdem, und sie werden uns in Zukunft noch mehr begleiten. Deshalb ist es wichtig, die schönen und wertvollen Aspekte der Digitalisierung zu nutzen. Schauen Sie sich mit gutem Gewissen auch mal einen Film an, spielen Sie ein Spiel, machen Sie einen Video-Chat mit einem Menschen, den Sie mögen, verschicken Sie E-Mails, starten Sie einen Blog oder bringen Sie sich Yoga über YouTube bei! Tun Sie immer das im Leben, was Ihnen in diesem Moment guttut. Manchmal mit den Medien, doch noch besser ganz bodenständig ohne Medien. Bleiben Sie gesund!

Herzliche Grüße
Dr. Frederik Weinert

DR. FREDERIK WEINERT
Buchautor, Redner, Digitalexperte und Spezialist für Social Media und digitale Bildung
Kommunikationswissenschaftler (Univ.) | Medienwissenschaftler (Univ.) Sprachwissenschaftler (Dr. phil.)